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	<title>Josef Missethon</title>
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	<description>Entwickeln. Entfalten. Leben.</description>
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	<title>Josef Missethon</title>
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		<title>Werte bestimmen unser Leben &#8211; ob wir wollen oder nicht</title>
		<link>https://www.josefmissethon.at/werte-bestimmen-unser-leben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anika Graf]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Dec 2025 07:07:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Werte prägen unser Leben – oft verborgen im Unterbewusstsein. Erst wenn wir sie erkennen, wird unser innerer Kompass sichtbar, der uns zeigt, was uns wirklich wichtig ist und welche Richtung wir einschlagen wollen. Bewusste Werte geben Klarheit, Orientierung und die Freiheit, das eigene Leben zu gestalten. Wenn unterbewusste Werte zum Leben erwachen Stellen wir uns [&#8230;]]]></description>
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<p>Werte prägen unser Leben – oft verborgen im Unterbewusstsein. Erst wenn wir sie erkennen, wird unser innerer Kompass sichtbar, der uns zeigt, was uns wirklich wichtig ist und welche Richtung wir einschlagen wollen. Bewusste Werte geben Klarheit, Orientierung und die Freiheit, das eigene Leben zu gestalten.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wenn unterbewusste Werte zum Leben erwachen</strong></h2>



<p>Stellen wir uns einen zehnjährigen Buben vor, in dem eine besondere musikalische Begabung angelegt ist. Wächst er in einem Umfeld auf, das für Musik kein Interesse zeigt, kann es sein, dass dieses Talent unbemerkt bleibt. Niemand erkennt es, niemand fördert es. Die Fähigkeit bleibt verborgen – das Kind kann sein Potenzial nicht zur Entfaltung bringen. Sein Potenzial existiert in seinem Unterbewusstsein, bleibt jedoch im Leben unsichtbar. Es gleicht einem Samen, der nicht in die Erde eingesetzt wird.</p>



<p>Anders ist es, wenn ein Impuls von außen kommt, der ihn berührt. Vielleicht ist es ein Film oder ein Lied, das zum Singen anregt. Vielleicht sind es die Eltern, Verwandte, ein Lehrer oder eine Freundin, mit denen gemeinsam musiziert wird oder die das Kind ermutigen, ein Instrument auszuprobieren. Und plötzlich entsteht Resonanz – es „erklingt eine Saite“ in dem Jungen. Eine feine Sehnsucht wird spürbar, eine Ahnung, die zuvor im Unterbewussten verborgen war, bekommt Gestalt.</p>



<p>Folgt das Kind diesem Gefühl und wendet sich der Musik zu, beginnt Entwicklung. Neue Begegnungen entstehen, Fähigkeiten wachsen. Aus innerer Freude entwickelt sich Lust an Leistung, getragen von intrinsischer Motivation. Ein äußerer Impuls tritt in Resonanz mit einer inneren Begabung. Diese Resonanz führt zur Handlung. Diesen Prozess beschrieb bereits Aristoteles als den „Übergang von der Möglichkeit zur Wirklichkeit“.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong><strong>Eine reale Lebensgeschichte</strong></strong></h2>



<p>Bleiben wir bei der Geschichte des musikalisch begabten zehnjährigen Jungen. Sie ist real. Er wuchs in einem musikalischen Umfeld auf und lernte verschiedene Instrumente zu spielen. Seine Schwester – selbst Musikerin – organisierte ein Vorsingen bei den Wiener Sängerknaben und begleitete ihn dabei. Und tatsächlich: Er wurde aufgenommen und musizierte weltweit.</p>



<p>Heute ist dieser Mann eine erfolgreiche Führungspersönlichkeit, der ein international tätiges Unternehmen leitet – und gleichzeitig der Kunst tief verbunden bleibt. Ehrenamtlich engagiert er sich in der Führung eines Kulturvereins, der junge Künstler:innen unterstützt und ihnen neue Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet.</p>



<p>Im Kern verbindet diese Lebensgeschichte zwei zentrale Werte: <em>Wachstum</em> durch Ermutigung und Entwicklung sowie <em>Schönheit</em> durch Kunst und Ästhetik.</p>



<p>Aus seinen eigenen Erfahrungen heraus interpretiert und lebt er diese Werte heute neu. Neben seinem Wirtschaftsberuf verwirklicht er diese im Rahmen seiner ehrenamtlichen Kunstförderung – dort, wo sein persönlicher Wertkompass ihn hinführt. Der Mann lebt heute dieselben Werte wie damals, jedoch in einem anderen Kontext. Früher war er Empfänger von Unterstützung; heute gibt er sie weiter.</p>



<p><em>„Werte bleiben bestehen – ihre Ausdrucksformen wandeln sich.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Potenzial kennt kein Alter: Peter Ratzenbeck</strong></h2>



<p>Ein anderes Beispiel findet sich im Leben von Peter Ratzenbeck. Er entdeckte seine Begabung erst spät – mit etwa 17 Jahren, als er seine erste Gitarre erhielt. Die ersten Akkorde brachte ihm ein Freund bei; alles Weitere lernte er selbst, Schritt für Schritt, getragen von Neugier und Ausdauer. Heute zählt der österreichische Gitarrist, Komponist und „Fingerpicker“ seit Jahrzehnten zu den prägendsten Akustikgitarristen Europas. Ein Weg, der zeigt, wie unterbewusstes Potenzial durch Inspiration und Hartnäckigkeit Gestalt annimmt.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Werte: Das Fundament unserer Identität</strong></h2>



<p>Werte sind mehr als Wünsche – sie sind das Wünschenswerte, das uns innerlich leitet. Unsere Entscheidungen entspringen diesen tiefen Überzeugungen. Bleiben sie in unserem Unterbewusstsein, steuern sie uns aus dem Verborgenen. Wir handeln dann oft auf eine Weise, die uns selbst fremd erscheint oder unser Umfeld überrascht.</p>



<p>Durch Reflexion könne wir diese Werte ins Bewusstsein holen, woraus Erkenntnis entsteht. So wandeln sie sich von unterbewussten Treibern zu einem sichtbaren inneren Kompass. Erst diese Bewusstwerdung ermöglicht es uns, das Leben nicht nur zu bewältigen, sondern selbstbestimmt, der eigenen Natur entsprechend, zu gestalten. Bewusstsein schafft Freiheit.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong><strong>Wie wir unsere eigenen Werte erkennen</strong></strong></h2>



<p>Unsere Werte sind bereits in uns angelegt – oft tief im Unterbewusstsein verborgen. Sie werden sichtbar in den Momenten, die uns prägen: schöne Erlebnisse, Vorbilder, schmerzhafte Erfahrungen, Konflikte oder innere Kämpfe. Wenn wir uns fragen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Was war mir in diesen Momenten wirklich wichtig?</li>



<li>Wofür habe ich mich eingesetzt &#8211; selbst gegen Widerstände?</li>



<li>Was hat mich verletzt oder erfüllt oder tief berührt?</li>
</ul>



<p>… dann nähern wir uns den Werten, die uns innerlich leiten.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><em><strong>Frage</strong></em><em><strong>n </strong></em><em><strong>zur </strong></em><em><strong>eigenen Werter</strong></em><em><strong>eflexion:</strong></em></h3>



<p>Welcher Wert könnte dahinterstehen?<br>Welche Situation hat Sie zuletzt besonders berührt oder herausgefordert?</p>



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<p></p>
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		<title>Zivilcourage – ein zeitloser Wert?</title>
		<link>https://www.josefmissethon.at/zivilcourage-ein-zeitloser-werte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anika Graf]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Oct 2025 14:00:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Ich bin wieder in meiner ehemaligen Heimatstadt Leoben in der Steiermark zu Besuch. Ich sitze meiner damaligen Nachbarin gegenüber. Sie war eine Konstante meiner Kindheit – ruhig, aufmerksam, wach. Heute lebt sie nicht mehr. Zum Zeitpunkt unseres Gesprächs ist sie 95 Jahre alt und lebt noch immer allein, ohne zusätzliche Hilfe, in ihrem einstöckigen Haus. [&#8230;]]]></description>
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<p>Ich bin wieder in meiner ehemaligen Heimatstadt Leoben in der Steiermark zu Besuch. Ich sitze meiner damaligen Nachbarin gegenüber. Sie war eine Konstante meiner Kindheit – ruhig, aufmerksam, wach. Heute lebt sie nicht mehr.</p>



<p>Zum Zeitpunkt unseres Gesprächs ist sie 95 Jahre alt und lebt noch immer allein, ohne zusätzliche Hilfe, in ihrem einstöckigen Haus. Sie putzt und kocht nach wie vor selbst. Nur auf das Kirschenernten hat sie nun schweren Herzens verzichtet, da sie bereits zweimal von der Leiter gefallen ist. Ihr Umfeld hat ihr deutlich gesagt, dass das zu gefährlich sei. „Ich spüre schon mein Alter,&#8220; sagt sie. Noch immer liebt sie die griechischen Göttersagen und verfolgt aufmerksam die aktuelle Politik. Nur das Lesen fällt ihr zunehmend schwerer. Ihre Freundinnen sind inzwischen alle verstorben.</p>



<p>Als wir Kinder waren, gingen wir nach der Schule täglich zu ihrem Haus und läuteten an der Tür. Dann öffnete sich im ersten Stock das Fenster, und sie warf uns verschiedene Sorten Eiskonfekt hinunter mit Mickey-Mouse-Figuren darauf. Ein täglicher Genuss vor dem Mittagessen – sehr zur Freude unserer Mutter…</p>



<p>Nach langer Zeit erzählt sie mir diesmal wieder von früher. „Hitler hat mir meine Jugend gestohlen“, sagt sie. Als sie siebzehn Jahre alt war, verteilte sie als Schülerin Flugzettel, in denen vor den Auswirkungen des aufkommenden Hitler-Regimes und dessen Plänen gewarnt wurde. „Das wird zum Krieg führen“, sagte sie damals – und heute weiß sie, dass alles genau so eingetreten ist, wie sie es geahnt hatte. Gemeinsam mit zwei Freundinnen warf sie die Flugblätter im Schulgebäude vom oberen Stockwerk in den Flur. Später verteilten sie die Flugblätter heimlich in den Wohnblöcken ihrer Umgebung. Doch die Mädchen hatten nicht mit den Blockwarten gerechnet. Diese hatten die Aufgabe, die Bewohner nach ihrer politischen Gesinnung zu beobachten und einzuordnen. Bald wurde klar, dass sie verdächtig war. Schließlich wurde sie verhaftet, in Graz vor Gericht gestellt und zu drei Jahren Haft verurteilt. Nach ihrer Entlassung war sie nur kurz in Freiheit. Bald darauf wurde sie in das Konzentrationslager Ravensbrück in Deutschland deportiert. Darüber schwieg sie jahrzehntelang. Kein Wort darüber. Nur eines erzählte sie: Sie kann bis heute nicht bei geschlossener Tür schlafen. Dann hat sie das Gefühl, eingesperrt zu sein. Das erinnert sie an damals.</p>



<p>Über Ravensbrück sagt sie heute, dass die Jüngeren eher überlebten als die Alten – und dass es sehr hart war. Sie gehört zu den Überlebenden. Sie war jung. Nach Kriegsende ging sie zu Fuß rund 900 Kilometer nach Hause. Nachdenklich erzählt sie, dass sie einmal gehört habe, die Alliierten hätten später recherchiert, ob es in Österreich Widerstand gegeben habe. Diese Widerstandsbewegungen waren eine wesentliche Grundlage für die Anerkennung Österreichs als eigenständige Nation und für die spätere Neutralität. Leise sagt sie: „Vielleicht haben unsere Aktivitäten ja doch ein bisschen etwas dazu beigetragen.&#8220; In diesem Moment liegt in ihrem Blick etwas Nachdenklichkeit, eine Ahnung von Sinn, ein Hauch von Rechtfertigung für das Erlebte und die Folgen ihres Handelns. Nicht für sie persönlich, sondern für die größere Gemeinschaft.</p>



<p>Der französische Begriff „courage civil“ bedeutet Bürgermut. Diese Tugend fordert den Einzelnen auf, durch Mut und persönliches Handeln in einem öffentlichen Konflikt Stellung zu beziehen – auch dann, wenn daraus persönliche Nachteile entstehen können.</p>



<p>Dieses Beispiel zeigt den Einsatz einer einzelnen Person für Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenrechte – und die dramatischen persönlichen Folgen. Es erinnert uns daran, dass diese Generation nicht nur von historischer Last, sondern auch vom Mut Einzelner geprägt ist.</p>



<p>Unsere heutige Gesellschaft richtet den Blick stärker auf das Individuum. Die Gemeinschaft als Wert ist weniger selbstverständlich geworden als früher. Und doch gibt es sie weiterhin: Menschen, die auch heute Zivilcourage zeigen. Was hat das mit uns zu tun? Als Teil eines großen Ganzen, einer Gesellschaft, sehr viel.</p>



<p><strong>Fragen zur Selbstreflexion</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li>In welcher Situation haben Sie schon einmal Zivilcourage bewiesen?</li>



<li>Wo liegen Ihre persönlichen Grenzen?</li>



<li>Wo ist es Ihnen auch nicht gelungen – wo hat Sie der Mut verlassen?</li>



<li>Was ist Ihnen heute wichtig und wie könnte Ihr eigener kleiner Beitrag zur Gesellschaft aussehen?</li>
</ul>



<p>Zivilcourage entsteht oft leise – dort, wo Menschen trotz Zweifel den Mut finden, ihren Werten zu vertrauen.</p>



<p>Oder, wie meine Nachbarin später sagte: „Wenn ich gewusst hätte, was danach alles kommt, hätte ich die Zettel vielleicht nicht verteilt.&#8220;</p>



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		<item>
		<title>Werte von Kindern und Jugendlichen im Wandel – ein Vergleich 2014–2024 </title>
		<link>https://www.josefmissethon.at/werte-von-kindern-und-jugendlichen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anika Graf]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Oct 2025 13:49:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Studien 2014–2024 im Vergleich Wir leben in einer Zeit, in der sich die Welt scheinbar minütlich neu erfindet. Technologischer Fortschritt, gesellschaftliche Umbrüche und eine zunehmende Digitalisierung prägen unseren Alltag. Doch blickt man tiefer – dorthin, wo Kinder und Jugendliche nach Halt, Orientierung und Sinn suchen –, zeigt sich eine berührende Beständigkeit. Als Psychotherapeut und Coach [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Studien 2014–2024 im Vergleich</strong></p>



<p>Wir leben in einer Zeit, in der sich die Welt scheinbar minütlich neu erfindet. Technologischer Fortschritt, gesellschaftliche Umbrüche und eine zunehmende Digitalisierung prägen unseren Alltag. Doch blickt man tiefer – dorthin, wo Kinder und Jugendliche nach Halt, Orientierung und Sinn suchen –, zeigt sich eine berührende Beständigkeit.</p>



<p>Als Psychotherapeut und Coach erlebe ich häufig, dass von einem <em>Werteverfall</em> gesprochen wird. Die empirischen Daten erzählen jedoch eine andere Geschichte: <strong>die Geschichte einer anhaltenden Sehnsucht nach echter Verbindung</strong>.</p>



<p>In dieser rasant wandelnden Welt stellt sich immer wieder dieselbe Frage:<br><strong>Welche Werte prägen Kinder und Jugendliche heute wirklich?</strong><br>Was gibt ihnen Halt, Orientierung und Sinn – und was hat sich in den vergangenen zehn Jahren verändert?</p>



<p>Ein Blick auf zentrale Langzeitstudien aus Deutschland, deren Ergebnisse auch für Österreich und die Schweiz (DACH-Region) relevant sind, zeigt Erstaunliches:<br><strong>Trotz tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen bleiben grundlegende Werte bemerkenswert stabil.</strong></p>



<p>Fazit:<br>Das Fundament des kindlichen Wohlbefindens liegt klar in stabilen Beziehungen. Materielle Werte wie Geld oder Besitz spielen eine untergeordnete Rolle.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>I. Die Basis: Stabile Kernwerte im Kindesalter</strong></h2>



<p>(GEOlino-UNICEF-Kinderwertemonitor 2014)</p>



<p>Die repräsentative <strong>GEOlino-UNICEF-Studie aus dem Jahr 2014</strong> (n = 1.012 Kinder im Alter von 6–14 Jahren) macht deutlich:<br><br><strong>Kinder orientieren sich in erster Linie an emotionalen und sozialen Werten.</strong> Nicht Leistung, Status oder materieller Besitz stehen im Vordergrund, sondern Beziehungen, Sicherheit und Verlässlichkeit.</p>



<p><strong>Die Top-5-Werte aus Sicht der Kinder (2014)</strong></p>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-fixed-layout"><thead><tr><th>Platz</th><th>Wert</th></tr></thead><tbody><tr><td>1</td><td>Familie</td></tr><tr><td>2</td><td>Freundschaft</td></tr><tr><td>3</td><td>Geborgenheit</td></tr><tr><td>4</td><td>Vertrauen / Zuverlässigkeit</td></tr><tr><td>5</td><td>Ehrlichkeit</td></tr></tbody></table></figure>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>II. Kontinuität mit Akzentverschiebungen</strong></h2>



<p>(AOK-Familienstudie 2022)</p>



<p>Die <strong>AOK-Familienstudie 2022</strong>, basierend auf einer Befragung von rund <strong>8.500 Eltern mit Kindern im Alter von 4 bis 14 Jahren</strong>, bestätigt die grundlegende Bedeutung zentraler Lebenswerte. Zugleich zeigen sich <strong>verschobene Akzentsetzungen</strong>, die auf veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen verweisen.</p>



<p><strong>Wichtigste Lebensbereiche aus Sicht der Eltern (2022):</strong></p>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td><strong>Platz</strong></td><td><strong>Lebensbereich</strong></td></tr><tr><td>1</td><td>Familie</td></tr><tr><td>2</td><td>Freunde</td></tr><tr><td>3</td><td>Gesundheit</td></tr><tr><td>4</td><td>Schule</td></tr><tr><td>5</td><td>Freizeit / Hobbys</td></tr></tbody></table></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Interpretation:</h3>



<p>Beziehungen bleiben der zentrale Orientierungspunkt im Leben von Familien. Gleichzeitig rücken <strong>Gesundheit</strong> sowie <strong>schulische bzw. leistungsbezogene Anforderungen</strong> stärker in den Vordergrund. Diese Verschiebung kann als Ausdruck <strong>gesellschaftlicher Unsicherheiten</strong>, wachsender Anforderungen und eines erhöhten Bedürfnisses nach Stabilität und Zukunftssicherung verstanden werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>III. Jugendliche Werte im Wandel</strong></h2>



<p>(19. Shell Jugendstudie 2024)</p>



<p>Die 19. Shell Jugendstudie 2024 untersucht die Lebenswelt der 12- bis 25-Jährigen und erlaubt erstmals einen direkten Vergleich zu 2019.</p>



<p>Ausgewählte Lebensziele (wichtig / sehr wichtig):</p>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td><strong>Lebensziel</strong></td><td><strong>2019</strong></td><td><strong>2024</strong></td></tr><tr><td>Gute Freunde haben</td><td>97 %</td><td>96 %</td></tr><tr><td>Vertrauensvolle Partnerschaft</td><td>90 %</td><td>94 %</td></tr><tr><td>Gutes Familienleben</td><td>90 %</td><td>92 %</td></tr><tr><td>Gesund leben</td><td>83 %</td><td>85 %</td></tr><tr><td>Hoher Lebensstandard</td><td>63 %</td><td>82 %</td></tr></tbody></table></figure>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Analyse:</strong></h3>



<p>Soziale Kernwerte wie Freundschaft, Partnerschaft und Familie bleiben weiterhin an der Spitze der Werteskala. Sie bilden auch im Jugendalter den stabilen Bezugsrahmen für Orientierung und Zugehörigkeit.</p>



<p>Auffällig ist jedoch der <strong>starke Bedeutungszuwachs materieller Ziele</strong>, insbesondere des Wunsches nach einem hohen Lebensstandard. Diese Verschiebung lässt sich als Reaktion auf <strong>ökonomische Unsicherheiten</strong>, <strong>Zukunftsängste</strong> und eine zunehmend als fragil erlebte Lebensplanung verstehen. Materielle Sicherheit gewinnt damit eine neue Funktion: weniger als Ausdruck von Konsumorientierung, sondern vielmehr als Versuch, <strong>Stabilität und Kontrolle</strong> in einer als unsicher wahrgenommenen Welt zu erlangen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>IV. Digitalisierung: Stabilität der Werte, neue Spannungsfelder</strong></h2>



<p>Die Digitalisierung verändert zwar nicht die grundlegenden Werte von Kindern und Jugendlichen – wohl aber die Lebensrealität, in der diese Werte gelebt, erlebt und herausgefordert werden.</p>



<p>Darauf verweist auch die <strong>WHO-Studie zum Gesundheitsverhalten von Kindern im schulpflichtigen Alter (HBSC-Studie)</strong>. Im Jahr <strong>2022 wurden fast 280.000 junge Menschen im Alter von 11, 13 und 15 Jahren</strong> in <strong>44 Ländern und Regionen Europas, Zentralasiens und Kanadas</strong> befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Nutzung digitaler Medien, das psychosoziale Wohlbefinden, die Selbstwahrnehmung und die Gesundheit eng miteinander verknüpft sind und sich wechselseitig beeinflussen.</p>



<p>Aus dieser veränderten Lebensrealität ergeben sich neue Spannungsfelder, die den Alltag junger Menschen zunehmend prägen.</p>



<p><strong>Zentrale Spannungsfelder</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Selbstbild &amp; Leistungsdruck</strong></li>
</ul>



<p>Likes, Vergleich und permanente Sichtbarkeit wirken sich auf den Selbstwert, die Selbstwahrnehmung und die psychische Gesundheit. Anerkennung wird zunehmend nach außen verlagert und messbar gemacht.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Nähe &amp; Distanz</strong></li>
</ul>



<p>Digitale Vernetzung erleichtert Kontakt und Austausch, ersetzt jedoch nicht automatisch emotionale Verbundenheit. Beziehung bleibt erfahrungs- und resonanzabhängig – auch im digitalen Raum.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Kompetenzfrage</strong></li>
</ul>



<p>Neben Geborgenheit und Schutz wird <strong>digitale Mündigkeit</strong> zu einer zentralen Ressource. Der reflektierte Umgang mit Medien, Informationen und Selbstdarstellung gewinnt an Bedeutung für Orientierung und innere Stabilität.</p>



<p><strong>Schlussfolgerung</strong></p>



<p>Emotionale Sicherheit bleibt grundlegend. Sie muss jedoch zunehmend durch <strong>Medienkompetenz</strong>, <strong>Reflexionsfähigkeit</strong> und <strong>schützende Beziehungsräume</strong> ergänzt werden, um jungen Menschen Halt und Orientierung in einer digital geprägten Welt zu ermöglichen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>V. Blick über Deutschland hinaus: DACH-Perspektive</strong></h2>



<p>Über Ländergrenzen hinweg bilden <strong>Familie</strong>, <strong>Freunde</strong> und <strong>Gesundheit</strong> das stabile Fundament kindlicher und jugendlicher Werteorientierung. Unterschiede zeigen sich weniger in den Grundwerten selbst als in den jeweiligen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, unter denen sie gelebt werden.</p>



<p><strong>Fazit</strong></p>



<p>Über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren zeigt sich eine bemerkenswerte <strong>Konstanz zentraler Werte</strong>:</p>



<p><strong>Beziehung schlägt Besitz. Nähe bleibt wichtiger als Status.</strong></p>



<p>Gleichzeitig reagieren Kinder und Jugendliche sensibel auf gesellschaftliche Unsicherheiten. Der wachsende Stellenwert materieller Sicherheit ist weniger Ausdruck von Oberflächlichkeit als vielmehr der Versuch, <strong>Stabilität und Orientierung</strong> in einer komplexen und als fragil erlebten Welt zu finden.</p>



<p>Werte bleiben damit keine statischen Größen, sondern lebendige Bezugspunkte – verwurzelt in Beziehung und zugleich geprägt vom gesellschaftlichen Wandel.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>VI. Summary</strong></h2>



<p>Über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren zeigt sich eine bemerkenswerte <strong>Stabilität zentraler Wert</strong><strong>e</strong>. <strong>Beziehung, Nähe und Verlässlichkeit</strong> behalten ihre hohe Bedeutung und stehen weiterhin <strong>vor materiellen Aspekten wie Besitz oder Status.</strong></p>



<p>Gleichzeitig reagieren Kinder und Jugendliche sensibel auf <strong>gesellschaftliche Unsicherheiten</strong>, ökonomische Veränderungen und wachsende Anforderungen. Der <strong>zunehmende Stellenwert materieller Sicherheit</strong> lässt sich vor diesem Hintergrund weniger als Ausdruck von Oberflächlichkeit verstehen, sondern vielmehr als Antwort auf eine als unsicher erlebte Lebenswelt und als <strong>Versuch, Zukunft planbar und verlässlich</strong> zu gestalten.</p>



<p>Werte erweisen sich damit weder als starr noch als beliebig. Sie bleiben <strong>lebendige Bezugspunkte</strong>, die in Beziehung verwurzelt sind und sich zugleich im Spannungsfeld gesellschaftlicher Veränderungen weiterentwickeln.</p>



<p><strong>Quellen</strong>&nbsp;</p>



<p>AOK-Bundesverband. (2022). <em>AOK-Familienstudie 2022 – Familie heute.</em><br><a href="https://www.aok.de" target="_blank" rel="noopener">https://www.aok.de</a></p>



<p>GEOlino &amp; UNICEF Deutschland. (2014). <em>GEOlino-UNICEF-Kinderwertemonitor 2014.</em><br><a href="https://www.unicef.de" target="_blank" rel="noopener">https://www.unicef.de</a></p>



<p>Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs). (o. J.). <em>JIM-Studie (Jugend, Information, (Multi-)Media).</em><br><a href="https://www.mpfs.de" target="_blank" rel="noopener">https://www.mpfs.de</a></p>



<p>Saferinternet.at. (2022–2024). <em>Safer Internet Monitor / Jugend-Internet-Monitor.</em><br><a href="https://www.saferinternet.at" target="_blank" rel="noopener">https://www.saferinternet.at</a></p>



<p>Shell Deutschland Holding. (2024). <em>19. Shell Jugendstudie 2024: Jugend, Werte, Zukunft.</em> Beltz Juventa. https://www.shell.de</p>



<p>UNICEF Österreich. (2021–2024). <em>Berichte und Studien zur Lebenswelt, zu Werten und zum Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen.</em></p>



<p>World Health Organization &amp; HBSC Network. (2022). <em>Health Behaviour in School-aged Children (HBSC) Study 2022.</em> WHO Regional Office for Europe.<br><a href="https://www.who.int/europe/initiatives/health-behaviour-in-school-aged-children-(hbsc)" target="_blank" rel="noopener">https://www.who.int/europe/initiatives/health-behaviour-in-school-aged-children-(hbsc)</a></p>



<p>Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) &amp; Pädagogische Hochschulen Schweiz. (2020–2023). <em>Studien zu Mediennutzung, psychischer Gesundheit und Werteorientierung von Kindern und Jugendlichen.</em><br><a href="https://www.zhaw.ch" target="_blank" rel="noopener">https://www.zhaw.ch</a></p>



<p>ZHAW / JAMES-Studie. (2020, 2022). <em>JAMES – Jugend, Aktivitäten, Medien: Erhebung Schweiz.</em><br><a href="https://www.zhaw.ch/de/psychologie/forschung/james" target="_blank" rel="noopener">https://www.zhaw.ch/de/psychologie/forschung/james</a></p>



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		<item>
		<title>Wie Eltern die Wertebasis säen</title>
		<link>https://www.josefmissethon.at/eltern-werte-vorgelebt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anika Graf]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Oct 2025 13:41:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Werte werden vorgelebt Es war ein Tag zu Hause. Meine Mutter pflegte meine Großmutter, die im Sterben lag. Im Nebenraum meines Zimmers war ein richtiges Krankenlager eingerichtet worden. Abwechselnd waren auch Verwandte da. Irgendwie war das auch schön. Es war beinahe harmonisch. Ich war neun Jahre alt. Das alles gehörte zum Leben einfach dazu. Auch [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Werte werden vorgelebt</strong></p>



<p>Es war ein Tag zu Hause. Meine Mutter pflegte meine Großmutter, die im Sterben lag. Im Nebenraum meines Zimmers war ein richtiges Krankenlager eingerichtet worden. Abwechselnd waren auch Verwandte da. Irgendwie war das auch schön. Es war beinahe harmonisch. Ich war neun Jahre alt. Das alles gehörte zum Leben einfach dazu. Auch der Tod. Meine Mutter war immer präsent. Sie schlief wenig. Einmal fragte ich sie, ob sie nicht müde sei. Da sagte sie zu mir: „Ich mag die Oma,&#8220; die eigentlich ihre Schwiegermutter war, „so gerne. Da spüre ich die Müdigkeit nicht so stark.&#8220; Im Gegenteil, sie hatte eine Energie, von der sie selbst nicht wusste, woher sie kam. Das war für mich normal. Das wurde mir vorgelebt. Etwas beizutragen. Für andere da zu sein und auch Verantwortung zu übernehmen. Vor allem für die Familie.</p>



<p>Mein Vater war ein vielseitig interessierter Mann. Es bleibt mir stets in Erinnerung, wie er am Wochenende genussvoll Zeitungen und Zeitschriften gelesen hat. Er probierte immer wieder gerne etwas Neues aus: neues Essen, neue elektronische Geräte oder neue Gesundheitsthemen. Er lag am Boden und praktizierte autogenes Training. Da lag ich neben ihm und probierte das auch aus. Es war spannend. Er radelte auf dem Heimtrainer und trainierte mit dem Thera-Band. Für uns Kinder war es lustig, damit zu spielen und es möglichst weit auseinanderzuziehen und mit einem „Schnalzen“ wieder loszulassen.</p>



<p><strong>Dasselbe Fundament, ein anderes Haus</strong></p>



<p>Wenn ich heute nach über 60 Jahren auf mein Leben zurückblicke, dann erkenne ich, dass ich vieles von meinen Eltern übernommen habe. Nicht unbedingt die gleiche Art zu handeln und auch nicht die ganz gleiche Lebenseinstellung. Ich habe einen anderen Beruf, bin Unternehmer, Psychotherapeut und Coach – mein Vater war Betriebsrat und leitete eine Siedlungsgenossenschaft. Meine Frau arbeitet sowohl in der Wirtschaft als auch zu Hause, meine Mutter war ausschließlich Hausfrau. Aber die dahinter liegenden Werte sind sehr ähnlich. Dazu gehören Familie, Liebe zu den Menschen, offen für Neues sein, Engagement und Freude an der Leistung, Gesundheit und ein Glaubenszugang, der mit sehr persönlichen Erfahrungen verbunden ist.</p>



<p>Es gibt auch Veränderungen und Neuerungen. So ist mein Glaubenszugang sehr klar geworden. Mir ist Gleichberechtigung wichtig und Internationalität ist als Wert neu hinzugekommen. Diese Konstellation war in meiner Herkunftsfamilie nicht so ausgeprägt. Die Basis entstammt jedoch dem Elternhaus, nämlich den vorgelebten Werten. Oft gar nicht so bewusst kommuniziert, aber tagtäglich gelebt.</p>



<p><strong>Wer sind die wichtigsten Wertevermittler für Kinder?</strong></p>



<p>Im deutschen Kinderwertemonitor 2014 wurden rund 1.000 Kinder und ihre Eltern zum Thema Werte befragt.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1024" height="767" src="https://www.josefmissethon.at/wp-content/uploads/2025/10/image-1024x767.jpg" alt="" class="wp-image-1196" srcset="https://www.josefmissethon.at/wp-content/uploads/2025/10/image-1024x767.jpg 1024w, https://www.josefmissethon.at/wp-content/uploads/2025/10/image-300x225.jpg 300w, https://www.josefmissethon.at/wp-content/uploads/2025/10/image-768x575.jpg 768w, https://www.josefmissethon.at/wp-content/uploads/2025/10/image.jpg 1362w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>



<p>Es zeigt sich ganz klar, dass sowohl Kinder als auch Mütter und Väter die Eltern und Großeltern für die mit Abstand wichtigste Gruppe bei der Vermittlung von Werten halten. Das heißt, die Familie vermittelt zentrale Werte.</p>



<p>Auf Platz drei folgen bereits die Lehrer als wichtige Ressource, deren Bedeutung in der Wertevermittlung stetig weiter steigt.</p>



<p><strong>Werte-Impuls:</strong></p>



<p>Welche drei wichtigen Werte haben Sie aus Ihrer Herkunftsfamilie für Ihr Leben übernommen?</p>



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		<title>Die Wurzeln unserer Werte</title>
		<link>https://www.josefmissethon.at/wurzeln-unserer-werte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anika Graf]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Oct 2025 13:32:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir betrachten Werte oft als einen moralischen Kompass, den wir uns im Laufe des Lebens mühsam erarbeiten. Ein Blick in die Psychodynamik unserer Entwicklung zeigt jedoch: Die tragendsten Werte werden nicht gelernt, sondern erfahren. Sie sind das emotionale Echo unserer frühesten Beziehungen. Dieser Text richtet den Blick auf die Anfänge unserer Werte und auf die [&#8230;]]]></description>
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<p>Wir betrachten Werte oft als einen moralischen Kompass, den wir uns im Laufe des Lebens mühsam erarbeiten. Ein Blick in die Psychodynamik unserer Entwicklung zeigt jedoch: Die tragendsten Werte werden nicht gelernt, sondern erfahren. Sie sind das emotionale Echo unserer frühesten Beziehungen.</p>



<p>Dieser Text richtet den Blick auf die Anfänge unserer Werte und auf die besondere Bedeutung von <strong>Liebe, Schutz und Sicherheit</strong> als grundlegende menschliche Werte. Schutz wirkt von außen, Sicherheit entsteht im Inneren – beide wachsen aus gelebter Beziehung und bilden, getragen von Liebe, das Fundament menschlicher Werte. Diese Werte sind keine abstrakten Ideale, sondern frühe Beziehungserfahrungen, die unser inneres Erleben und unser Handeln bis ins Erwachsenenalter prägen.</p>



<p><strong>Wo unsere Werte ihren Anfang nehmen</strong></p>



<p>Unser Leben beginnt nach der Befruchtung in einer Symbiose zwischen Mutter und Kind – einer körperlichen und emotionalen Verbundenheit. Aus dieser Einheit treten wir in die Welt. Mit der Geburt erlebt der Mensch erstmals eine grundlegende Trennung. In dieser neuen Welt ist das Kind vollständig auf Beziehung angewiesen. Die Beziehung zur Mutter – und in weiterer Folge zum Vater – ist in dieser frühen Phase von großer Nähe geprägt und wirkt nachhaltig auf die weitere Entwicklung.</p>



<p>Der Begriff der Prägung ist eng mit den Arbeiten des Verhaltensforschers und Nobelpreisträgers Konrad Lorenz verbunden. Er beobachtete, dass frisch geschlüpfte Graugansküken jenem Wesen folgen, dessen Stimme sie zuerst wahrnehmen. Dieses Phänomen verdeutlicht die Bedeutung früher Beziehungserfahrungen. Menschliche Babys erleben die ersten Interaktionen mit der Außenwelt bereits im Mutterleib. Sie hören Stimmen und nehmen Stimmungen wahr. Sie sind Teil des körperlichen und emotionalen Systems der Mutter. Nach der Geburt ist das Kind alleine noch nicht lebensfähig. Es ist auf Erwachsene zum Überleben angewiesen. Der menschliche Schutz- und Fürsorgeinstinkt wird aktiviert. Beim eigenen Kind entsteht nahezu automatisch Elternliebe. So wird das eigene Kind als einzigartig, liebenswert und schutzbedürftig erlebt.</p>



<p><strong>Vom Paar zur Familie – Prioritäten ordnen sich neu</strong></p>



<p>Mit der Geburt eines Kindes wird das Leben in der Partnerschaft grundlegend neu ausgerichtet. Während zuvor vor allem die Bedürfnisse und Interessen der beiden Partner im Mittelpunkt standen, treten diese nun ganz natürlich in den Hintergrund. Neben höchster Freude und liebevoller Verbundenheit entstehen allerdings auch neue, bisher unbekannte Anforderungen, die zu persönlicher Überforderung führen können. Was Eltern neu verbindet, ist eine gemeinsame Aufgabe, ein neuer Lebenssinn, der über die eigene Person hinausgeht. Darin liegt eine besondere Chance, in diesem neuen Lebensabschnitt zu wachsen – persönlich und als Paar. Aus Partnerschaft wird Elternschaft.</p>



<p>Ein weitverbreiteter Irrtum ist jedoch die Annahme, dass unsichere oder instabile Paarbeziehungen durch ein gemeinsames Kind „gerettet&#8220; werden könnten. Gerade die Übergangsphase zur Elternschaft verlangt viel Energie und Aufmerksamkeit. In dieser Zeit treten Unterschiede, Spannungen und ungelöste Themen in Paar-Beziehungen oft noch deutlicher zutage als zuvor. In der neuen Lebenssituation rücken die Werte Liebe, Schutz und Sicherheit neu in den Vordergrund. Sie sind in uns bereits vorhanden und ordnen sich nun neu.</p>



<p>Nach der Geburt unseres ersten Kindes stehe ich als begeisterter Skifahrer vor einem besonders einladenden Tiefschneehang. Es hat gerade geschneit. Blauer Himmel, Sonnenschein, noch keine einzige Spur im Gelände weit und breit. Normalerweise würde ich voller Genuss in dieses Erlebnis eintauchen. Doch dieses Mal meldet sich ein neues Gefühl: <strong>Gefahr</strong>. Eine innere Alarmglocke läutet. Was ist, wenn eine Lawine abgeht und ich nicht mehr am Leben wäre? Was wäre dann mit meiner Familie? Wie würde mein Kind ohne mich aufwachsen? Welche finanziellen Folgen hätte das?<br>In diesem Moment wird mir meine Verantwortung für den Schutz unseres Kindes bewusst. Ich drehe um und fahre auf der präparierten Piste weiter.</p>



<p>Aus der Meta-Ebene betrachtet: Eine neue Werte-Priorisierung führt zu neuem Verhalten.</p>



<p><strong>Bindung als Basis für Entwicklung</strong></p>



<p>Durch das gemeinsame Zusammenleben entsteht über die Zeit Bindung – zwischen Kind, Eltern und weiteren Bezugspersonen.</p>



<p>Der britische Psychiater John Bowlby, Begründer der Bindungstheorie, zeigte gemeinsam mit der Entwicklungspsychologin Mary Ainsworth, dass sich unterschiedliche Bindungsformen entwickeln können: sicher, vermeidend, ambivalent und desorganisiert. Sichere Bindung entsteht durch feinfühlige und verlässliche Fürsorge. Das Kind erlebt seine Bezugsperson dabei als sichere Basis, von der aus es die Welt erkunden kann, und als sicheren Hafen, zu dem es bei Stress oder Angst zurückkehren darf. Diese frühen Beziehungserfahrungen formen das „innere Arbeitsmodell&#8220; des Kindes. Auf dieser Grundlage entwickeln sich zentrale innere Haltungen und frühe Beziehungserwartungen wie Liebe, Vertrauen und Geborgenheit – aus denen sich in weiterer Folge auch Selbstwert entwickelt.</p>



<p>Wichtig: Bindung prägt, aber sie legt nicht fest. Neue, tragende Beziehungen können innere Sicherheit auch im Erwachsenenalter stärken und verändern.</p>



<p><strong>Entwicklung und Reifung – ein Leben lang</strong></p>



<p>Was geschieht, wenn wir als Kinder nicht von Anfang an verlässliche und förderliche Lebensbedingungen erfahren? Fehlen Sicherheit, Schutz oder emotionales Verständnis, entstehen daraus besondere persönliche Herausforderungen. Diese können einerseits Unsicherheit hervorrufen, andererseits aber auch einen starken inneren Antrieb, diese Unsicherheit zu überwinden. Durch Bewusstwerdung und Reflexion können diese Lebensthemen nutzbar gemacht werden. Oft entwickeln Menschen daraus besondere Fähigkeiten und Stärken.</p>



<p>Als ich 15 Jahre alt war, habe ich meinen Vater durch einen plötzlichen Tod verloren. Er war 59 Jahre alt. Schutz und Sicherheit waren plötzlich nicht mehr in der Form vorhanden wie bisher. Wir als Familie waren sehr gefordert und sind gleichzeitig, jeder auf seine Weise, gewachsen. Notgedrungen. Einerseits habe ich einen meiner beiden Elternteile und nächste Bezugsperson verloren, andererseits wurde ich dadurch gefordert selbstständig zu sein. Daraus entwickelte sich – nicht freiwillig, sondern aus der Lebenssituation heraus – eine Kompetenz zur Selbstständigkeit. Dieser Wert der Selbstständigkeit hat mich seitdem mein ganzes Leben begleitet – familiär und auch beruflich. Rückblickend hat er wohl die Basis dafür gelegt, als selbstständiger Unternehmer beruflich tätig zu sein.</p>



<p>In dieser Situation wurde mir außerdem die Wichtigkeit von Familie, Freundschaft und Mitgefühl sehr bewusst. Ich weiß noch heute genau, wer damals für mich da war – und wer nicht. Besonders hilfreich war es, wenn mich jemand ansprach, mir zuhörte und mir vielleicht sogar Unterstützung anbot, ohne die eigene Deutungen in den Vordergrund zu stellen. Und wenn jemand das Leid und die Stille mitaushielt, ohne alles sofort erklären oder lösen zu wollen.</p>



<p>&#8222;In Extremsituationen werden Werte unmissverständlich sichtbar&#8220;, erkannte der US-amerikanische Psychoanalytiker und Kinderpsychologe Bruno Bettelheim bereits Mitte des vorigen Jahrhunderts – geprägt durch seine Erfahrungen während seiner KZ-Aufenthalte.</p>



<p>Rückblickend ist es schön zu sehen, welche Werte mir in dieser Zeit klar wurden und wie sie mein weiteres Leben beeinflusst haben. So wurde es mir wichtig, bewusster auf meine Gesundheit zu achten – mit einem nach außen nie ausgesprochenem Ziel: älter zu werden als mein Vater. Dies ist mir mittlerweile gelungen. Ein noch größeres Ziel war es, so gesund zu bleiben, dass ich als Vater noch lebe, wenn unser jüngstes Kind älter als 15 Jahre alt ist. Dass auch dies Wirklichkeit geworden ist, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit und Freude.</p>



<p>Der Tod meines Vaters war wie ein Stachel im Fleisch, um Antwort auf eine der existenziellsten Fragen zu finden: &nbsp;Gibt es ein Leben nach dem Tod? Schritt für Schritt <strong>näherte</strong> ich mich diesem Thema aus verschiedenen Perspektiven. Das dauerte Jahre. Viele Jahre. Und jeder einzelne Schritt war sinnvoll. Wie bei einem Puzzle fügte sich allmählich alles zusammen. Es ist eine große Gnade für mich, dass mir mittlerweile ein spiritueller Zugang geschenkt wurde, der für mich stimmt und der mir bestimmt ist.</p>



<p>Somit wurde die Ausrichtung auf wesentliche Werte und Lebensziele in einer Situation vorgenommen, die ich damals vor allem als Verlust erlebt habe. Erst später – durch Reflexion, Coaching und Psychotherapie – entstand daraus Schritt für Schritt mehr Klarheit und eine innere Ressource. So können Krisen auch hilfreich sein. Sie können dabei helfen, Werte zu erkennen, die im Leben wirklich Priorität haben.</p>



<p><strong>Impulse für die Praxis&nbsp;</strong></p>



<p>Schutz, Sicherheit und Liebe zählen zu den grundlegenden Werten unseres Lebens. Sie können Halt geben, Orientierung schaffen und Verantwortungsbewusstsein stärken. Gleichzeitig können sie – wenn sie überbetont oder vermieden werden – Entscheidungen unmerklich einschränken.&nbsp;</p>



<p>Falls Sie Lust haben, zu diesem Thema über Ihr eigenes Leben zu reflektieren, finden Sie nachfolgend einige Impulse.</p>



<p><strong>Wie erkenne ich, unterbewusste unausgeglichene Gefühle oder Muster?&nbsp;</strong></p>



<p>Beobachten Sie, in welchen Situationen Sie überreagieren bzw. wo Sie möglicherweise auch zu wenig emotionale Resonanz zeigen. Hier zeigen sich Ihre Entwicklungspotenziale. Durch Bewusstwerdung, Reflexion und tragfähige Beziehungen können frühe Defiziterfahrungen transformiert werden. Was zunächst als Mangel erlebt wird, kann sich als Kompetenz erweisen. Wir erkennen, wie auch die Entwicklungspsychologie bestätigt, dass Entwicklung, Reifung und Veränderung ein Leben lang möglich sind.</p>



<p><strong>Schutz, Sicherheit und Liebe im Alltag leben</strong></p>



<p>Welche Bedeutung haben die Werte Schutz, Sicherheit und Liebe in meinem Leben?</p>



<p>Wie wirken sich diese Werte auf meine Entscheidungen und mein Verhalten in meinem persönlichen und beruflichen Leben aus?</p>



<p>Welchen kleinen nächsten Schritt möchte ich in meinem Verhalten morgen anders machen? Was möchte ich beibehalten?</p>



<p><strong>Link – Erkenntnisse zur Bindungsforschung</strong></p>



<p>Nachfolgend finden Sie einen Link zu einer Kurzzusammenfassung der Erkenntnisse von John Bowlby aus seiner langjährigen Bindungsforschung. In diesem 8-minütigen Video zeigt er Forschungsergebnisse und spannende Experimente zu den verschiedenen Bindungsmustern zwischen Eltern und Kindern und deren Auswirkungen im Leben. Auch heute immer noch aktuell.</p>



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<p></p>
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		<title>Wie Weltbilder wirken – zwischen Selbststeuerung, Führung und Generationen</title>
		<link>https://www.josefmissethon.at/selbststeuerung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anika Graf]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Oct 2025 13:24:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir leben alle in derselben Welt, doch unsere Wirklichkeiten sind unterschiedlich. Was wir sehen, hören und erleben, formt sich in uns zu einem ganz persönlichen Bild der Realität. Dieses innere Weltbild beeinflusst unser Denken, Fühlen und Handeln weit stärker, als uns bewusst ist. Wie wir Wirklichkeit konstruieren Ein Forscher im Labor, ein Beduine in der [&#8230;]]]></description>
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<p>Wir leben alle in derselben Welt, doch unsere Wirklichkeiten sind unterschiedlich. Was wir sehen, hören und erleben, formt sich in uns zu einem ganz persönlichen Bild der Realität. Dieses innere Weltbild beeinflusst unser Denken, Fühlen und Handeln weit stärker, als uns bewusst ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><em>Wie wir Wirklichkeit konstruieren</em></h2>



<p>Ein Forscher im Labor, ein Beduine in der Wüste oder ein Künstler im Atelier – sie alle leben in derselben Welt. Und doch erleben sie völlig unterschiedliche Realitäten, selbst wenn sie am selben Ort leben. Der Grund dafür liegt nicht in der Welt selbst, sondern in der Art und Weise, wie wir sie wahrnehmen. Wir betrachten die Welt nicht neutral, sondern erschaffen sie innerlich.</p>



<p>Alles, was wir über die Welt wissen, beruht auf Sinneseindrücken. Hören, Sehen, Tasten, Riechen und Schmecken liefern das Grundmaterial, aus dem unser Geist Bedeutung formt. Aus diesen Eindrücken entsteht unser Bild der Wirklichkeit. Dabei wirken kulturelle, familiäre, private und berufliche Erfahrungen wie vorgelagerte Filter: Sie selektieren Wahrnehmungen, bewerten sie und verwandeln die objektive Wirklichkeit in subjektive Wahrheiten.</p>



<p>Selbst wenn Menschen unter identischen Bedingungen aufwachsen würden – mit gleicher DNA, in derselben Familie und am selben Ort –, wäre ihre Wahrnehmung dennoch nicht deckungsgleich. Erfahrungen, Gefühle und die Schlüsse, die wir daraus ziehen, sind einzigartig. Wahrnehmung ist kein bloßes Abbild der Wirklichkeit, sondern immer eine subjektive Deutung.</p>



<p>So entwickeln wir eigene Weltbilder, unsere inneren Landkarten der Realität. In ihnen bündeln sich Werte und Glaubenssätze, oft unterbewusst. Sie bestimmen, was wir für möglich halten, wie wir Situationen deuten, wie wir entscheiden und handeln. Weltbilder eröffnen Handlungsspielräume – und begrenzen sie zugleich.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die wiederkehrende Klage über die Jugend</h2>



<p>Schon die ältesten schriftlichen Kulturen kannten Klagen über die Jugend. In Mesopotamien finden sich bereits im dritten Jahrtausend v. Chr. Texte, die Respektlosigkeit und mangelnde Disziplin beklagen. Im Alten Ägypten warnen Lehrschriften vor dem Verlust von Ordnung durch die junge Generation. Auch in indischen Lehrtexten und im alten China äußern sich ähnliche Sorgen um Tradition und Autorität. Hesiod beschreibt um 700 v. Chr. den moralischen Verfall seiner Zeit; später greifen Platon und Aristoteles die Spannungen zwischen den Generationen und den Verlust von Werten auf. Seit mehreren Jahrtausenden begleitet dieses Deutungsmuster die Menschheit. Das bekannte Zitat, das Sokrates zugeschrieben wird, bringt diese zeitlose Perspektive auf den Punkt – auch wenn es historisch nicht eindeutig belegbar ist: „Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte.“&nbsp;</p>



<p>Erstaunlicherweise bleibt dieses Muster über Jahrhunderte konstant, nimmt jedoch immer neue Formen an. So wurde im 18. Jahrhundert zur Zeit der Aufklärung die wachsende Lesefähigkeit der Jugend als Gefahr wahrgenommen. Pädagogen warnten vor „Lesesucht“. Romane galten als schädlich, da sie angeblich Arbeitsscheu und moralischen Verfall förderten. Dieser Fortschritt wurde später als Grundlage von Bildung und Mündigkeit anerkannt.</p>



<p>Ein Blick in die jüngere Geschichte zeigt, dass sich diese Dynamik von Generation zu Generation fortsetzt. In den 1950er-Jahren brandmarkten viele Erwachsene den Rock ’n’ Roll als moralische Bedrohung und Ausdruck von Disziplinlosigkeit. In den 1960er- und 1970er-Jahren wurde die Protestkultur der Jugend als verantwortungslos und staatsgefährdend diffamiert. Später standen das Fernsehen, Videospiele und das Internet im Verdacht, Leistungsbereitschaft und soziale Kompetenz zu untergraben. Heute richten sich ähnliche Vorwürfe gegen die angeblich fehlende Belastbarkeit der Generation Z und gegen Künstliche Intelligenz.&nbsp;</p>



<p>Diese Bewertungen sagen oft mehr über die Einstellung der Menschen aus, die sie vornehmen, als über die Jugend selbst. Psychologisch lässt sich dies als „Juvenoia“ beschreiben – die Angst vor dem sozialen Wandel, projiziert auf die nächste Generation. Solche Vorurteile verstellen den Blick auf die Stärken der Jüngeren – und engen somit ihre Handlungsspielräume ein.</p>



<p>Seit Generationen stehen wir vor derselben Aufgabe: In der Spannung zwischen Erneuerung und Bewahrung eine situationsgerechte Mitte zu finden – insbesondere im wertschätzenden Umgang zwischen den Generationen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Vom Reflex zur Regie: Handlungsspielräume öffnen</h2>



<p>Unser eigenes Weltbild ist wie eine innere Landkarte, anhand derer wir unsere Wirklichkeit ordnen. Glaubenssätze strukturieren diese Landkarte und erklären, warum wir bestimmte Wege gehen. Werte wirken wie ein innerer Kompass – sie geben unseren Entscheidungen die Richtung, die für uns stimmt.</p>



<p>Der Weg, um diesen Handlungsspielraum bewusst zu erweitern, lässt sich in drei Schritten beschreiben: „Wahrnehmen – Verstehen – Integrieren“.</p>



<p>1. Wahrnehmen – das eigene Muster erkennen</p>



<p>Zunächst geht es darum, innezuhalten und ruhig wahrzunehmen, was gerade geschieht. Welche Gedanken tauchen automatisch auf? Welche Gefühle begleiten sie? Und welches Verhalten folgt daraus beinahe reflexhaft? In diesem Schritt wird nichts bewertet oder korrigiert – es geht allein darum, das eigene Erleben bewusst zu beobachten.</p>



<p>2. Verstehen – die eigene innere Logik entschlüsseln</p>



<p>Im Verstehen wird die innere Logik sichtbar, die hinter dem eigenen Erleben und Handeln steht. Welche oft unterbewussten Glaubenssätze steuern mein Verhalten in dieser Situation? Welche Werte sollen dadurch geschützt oder erfüllt werden?</p>



<p>Verstehen heißt, sich selbst ernst zu nehmen. Jedes Verhalten hatte aus der bisherigen Perspektive einen guten Grund. Es war die bestmögliche Antwort auf meine damaligen Bedürfnisse und Herausforderungen, eine kluge und mitunter sogar lebensnotwendige Lösung, die wichtige Werte schützte und Sicherheit gab. Gleichzeitig stellt sich heute die Frage: Dient mir dieses Verhalten noch – oder steht es mir vielleicht sogar im Weg? Denn jeder Schutz hat seinen Preis. Was uns einst beschützte, kann unter veränderten Bedingungen manchmal sogar negative Folgen haben. Verstehen ist daher der Schritt, um alte Lösungen mit Dankbarkeit zu würdigen und Raum für neue, passendere Antworten zu schaffen</p>



<p>3. Integrieren – neue Handlungsspielräume öffnen</p>



<p>Auf dem Fundament des Verstehens erweitert sich meine innere Landkarte. Nun geht es darum:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Welche neuen Perspektiven könnten hilfreich sein?</li>



<li>Welche Glaubenssätze möchte ich bewusst weiterentwickeln?</li>



<li>Welche Werte sollen heute mehr Bedeutung bekommen?</li>
</ul>



<p>Dabei wird das Bestehende nicht ersetzt, sondern bewusst ergänzt und integriert. Wachstum bedeutet, neue zusätzliche Aspekte anzunehmen, ohne die alten Wurzeln zu verlieren. In der Integration liegt der Schlüssel zur Freiheit: Wo früher automatische Reflexe dominierten, entstehen nun bewusste Wahlmöglichkeiten – im Denken, im Fühlen und Handeln.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Das Ende der unterbewussten Steuerung</h2>



<p>In einem Meeting sagt eine erfahrene Führungskraft zu einer jungen Mitarbeiterin: ‚Ich erledige das später selbst – das dauert sonst zu lange.“ Solche Sätze wirken zwar harmlos, blockieren aber Entwicklung. Das Problem: Die Führungskraft ist zu sehr im Operativen tätig und delegiert nicht ausreichend. Gleichzeitig wird der jungen Mitarbeiterin die Möglichkeit genommen mehr Verantwortung zu übernehmen und daran zu wachsen.</p>



<p>Die Analyse nach dem Dreitakt-Modell:</p>



<p>• Wahrnehmen: Die Führungskraft beobachtet ihren Impuls, dass sie in Stresssituationen zu viele Aufgaben selbst übernimmt und in diesem Augenblick nicht mehr fähig ist, sinnvoll zu delegieren.</p>



<p>• Verstehen: Sie erkennt: „Ich handle reflexhaft, bevor ich bewusst entscheide.“ Hinter diesem Impuls zu handeln, steht Zeitdruck – aber auch die Angst, dass die Aufgabe nicht perfekt erledigt wird. Ihre dahinterliegenden Werte sind Effizienz und Qualität. Ihre innere Logik lautet: „Wenn ich es selbst mache, ist es sicher und schnell erledigt.“ Ihr Verhalten ist also kein bloßer Kontrollzwang, sondern eine bewährte Strategie zur Risikominimierung. Die Einsicht: Der Preis für diese kurzfristige Sicherheit ist mangelnder Lernraum für das Team und die eigene Überlastung.</p>



<p>• Integrieren: Die Führungskraft entscheidet sich die Aufgabe bewusst zu delegieren und den Zeitaufwand für das Mentoring als Investition zu betrachten. Sie erweitert ihre eigene Werte-Landkarte: Qualität wird durch Entwicklung ergänzt und Effizienz durch Nachhaltigkeit bereichert. Sie hat dadurch mehr Handlungsmöglichkeiten als zuvor – denn Menschen lieben Optionen.</p>



<p><strong>Über den Wolken der Gewohnheiten: Selbststeuerung aktivieren</strong></p>



<p>Durch diesen bewussten Wechsel von der „Autopilot-Reaktion“ zur Entscheidung das Steuer wieder selbst &#8211; bewusst in die Hand zu nehmen, verändert sich das gesamte System.</p>



<p>Junge Mitarbeitende erleben echtes Vertrauen. Motivation und Eigenständigkeit nehmen spürbar zu. Die Führungskraft wird langfristig entlastet und gewinnt durch Loslassen an Wirksamkeit.</p>



<p>Moderne Führung entsteht nicht durch das bloße Anwenden neuer Instrumente, sondern durch den Mut, in wichtigen Momenten den inneren Autopiloten auszuschalten und den eigenen Kurs bewusst selbst zu steuern. n Kurs bewusszu bestimme</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zwischen Impuls und Entscheidung &#8211; Reflexionsfragen für Führungskräfte und Eltern</h2>



<p>1. Den Autopilot-Modus erkennen:</p>



<p>In welchen Momenten am Tag spüren Sie den Impuls:</p>



<p>„Das mache ich noch schnell selbst – es geht schneller, es ist sicherer, es werden weniger Fehler gemacht“</p>



<p>Stellen Sie sich vor: Sie halten in diesem Moment für zehn Sekunden inne und atmen drei Mal tief durch bevor Sie handeln.</p>



<p>→ Was könnte in dieser kurzen Pause passieren?</p>



<p>Hinweis: In dieser Lücke entsteht Raum für eine bewusste Entscheidung.</p>



<p>2. Die innere Logik verstehen:</p>



<p>Wenn Sie eine Aufgabe nicht delegieren:</p>



<p>&#8211; Welchen wichtigen Wert (z. B. Sicherheit, Perfektion, Tempo) versuchen Sie in diesem Moment zu schützen?</p>



<p>&#8211; Welchen Preis zahlt Ihr Team/Ihre Kinder langfristig für diesen Schutz? (Beispiel: weniger Lernchancen, geringere Eigeninitiative, Ihre eigene Überlastung.)</p>



<p>3. Neue Handlungsspielräume öffnen:</p>



<p>&#8211;&nbsp; Welchen neuen Wert oder welche neue Haltung &#8211; etwa Vertrauen in Lernprozesse, Mut zur Imperfektion oder langfristige Entwicklung statt kurzfristiger Effizienz &#8211; möchten Sie in Ihre persönliche Landkarte aufnehmen?</p>



<p>&#8211; Was würde sich dadurch heute konkret verändern, wenn Sie eine Aufgabe bewusst aus der Hand geben?</p>



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